Dekonstruktivismus

De|kon|s|t|ruk|ti|vịs|mus, der; - [engl. deconstructionism]:
1. (Archit.) Richtung der modernen Architektur, die durch das unvermittelte Aufeinanderstoßen unterschiedlicher Materialien, Räume u. Linienführungen gekennzeichnet ist.
2.
a) (Wissensch.) auf dem Verfahren der Dekonstruktion (1) beruhende wissenschaftliche Theorie;
b) (Literaturwiss.) auf die Analyse des Textes konzentrierte, durch Offenheit gegenüber vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten gekennzeichnete Richtung der Literaturwissenschaft.

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Dekonstruktivịsmus,
 
1) Architektur: seit Mitte der 1980er-Jahre Bezeichnung für eine Richtung, in deren Entwürfen das Verhältnis von Tragen und Lasten sowie traditionelle statische Verhältnisse aufgelöst werden. Der unvermittelte Zusammenstoß unterschiedlicher Materialien, Räume und Richtungen wirkt im Sinne konventioneller Sehgewohnheiten unharmonisch. Dekonstruktivistische Architektur greift formal auf den russischen Suprematismus (K. Malewitsch) oder auf die Ideen des russischen Konstruktivismus zurück (z. B. Zaha Hadid; P. Eisenman), bezieht sich in ihrem theoretischen Ansatz (B. Tschumi) auf J. Derrida und artikuliert insbesondere das Unbehagen an der normierten Umgebung (B. Schindler). Realisiert wurden z. B. der Parc de la Villette, Paris (1987, Tschumi), das Funderwerk 3, Kärnten, und der Dachgeschossausbau in Wien von der Architektengruppe Coop Himmelblau, das Hysolar-Institut, Stuttgart (1987, G. Behnisch), das Vitra Design Museum in Weil am Rhein (1988/89), das skulpturale Gebäude der Kunsthochschule der Universität von Toledo, Ohio (1990-92), das American-Center in Paris (1991-94), Gebäude des Festival Disney Komplexes in Marne-la-Vallée (1992), die Walt Disney Concert Hall, Los Angeles, Calif. (1992 ff., alle von F. O. Gehry); in Bau befindet sich der von D. Libeskind entworfene Erweiterungstrakt des Jüdischen Museums in Berlin (Grundsteinlegung 1992).
 
 
Dekonstruktivist. Architektur, hg. v. P. Johnson u. M. Wigley (a. d. Engl., 1988);
 
D. Eine Anthologie, hg. v. A. Papadakis (a. d. Engl., 1989);
 
Architektur im Aufbruch. Neun Positionen zum D., hg. v. P. Noever (1991);
 T. McCarthy: Ideale u. Illusion (a. d. Amerikan., 1993);
 M. Wigley: Architektur u. Dekonstruktion (a. d. Amerikan., Basel 1994);
 P. Eisenman: Aura u. Exzeß (a. d. Amerikan., Wien 1995).
 
 2) Wissenschaftstheorie: eine im Anschluss an die um wissenschaftliche Objektivität bemühten Theorien des Strukturalismus und in Auseinandersetzung mit ihnen entstandene überdisziplinäre Wissenschaftsströmung. Der Dekonstruktivismus beruht auf dem von J. Derrida geprägten Verfahren der Dekonstruktion, das darin besteht, ein zu kritisierendes Denksystem zunächst probeweise zu übernehmen, um dann in dessen Nachvollzug seine inneren Unstimmigkeiten und Brüche aufzuzeigen.

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De|kon|struk|t|ivịs|mus, der; -s [engl. deconstructionism]: 1. (Archit.) Richtung der modernen Architektur, die durch das unvermittelte Aufeinanderstoßen unterschiedlicher Materialien, Räume u. Linienführungen gekennzeichnet ist. 2. a) (Wissensch.) auf dem Verfahren der ↑Dekonstruktion (1) beruhende wissenschaftliche Theorie; b) (Literaturw.) auf die Analyse des Textes konzentrierte, durch Offenheit gegenüber vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten gekennzeichnete Richtung der Literaturwissenschaft.

Universal-Lexikon. 2012.

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